200 Milliarden Dollar für KI, 19 % Gewinnwachstum-Prognose von Cathie Wood und ein mögliches Kurspotenzial von 50 % laut Morgan Stanley – Amazon steht im Zentrum der KI-Euphorie. Doch gleichzeitig belasten heiße US-Inflationsdaten und ein robuster Arbeitsmarkt die Zinssenkungsfantasie der Börse. Steigende Renditen treffen hoch bewertete Tech-Aktien besonders sensibel. Während Investoren auf neue Impulse hoffen, könnten die anstehenden Quartalszahlen von Costco, CrowdStrike und Broadcom für zusätzliche Dynamik sorgen. Die kommende Woche dürfte zur Bewährungsprobe für KI-Hoffnung, Zinswette und Marktstimmung werden.

200 Milliarden Dollar Wette: Kann Amazon mit Billig-KI das Rennen gegen OpenAI und Google gewinnen?

Amazon setzt im KI-Rennen auf eine Strategie, die das Unternehmen groß gemacht hat: bessere Infrastruktur zu niedrigeren Kosten. Unter der Führung des neuen KI-Chefs Peter DeSantis will der Konzern künstliche Intelligenz günstiger und effizienter anbieten als die Konkurrenz. Statt im Wettlauf um die leistungsstärksten Modelle gegen OpenAI, Google oder Anthropic Schlagzeilen zu produzieren, setzt Amazon auf Kostenführerschaft, vertikale Integration und Unternehmenskunden.

Kern der Strategie sind die hauseigenen Chips Trainium und Inferentia, mit denen KI-Modelle deutlich günstiger trainiert und betrieben werden sollen. Ziel ist es, Enterprise-Kunden maßgeschneiderte Lösungen zu liefern, die schneller, spezialisierter und preiswerter sind als Premium-Modelle wie ChatGPT oder Claude. Produkte wie Nova, Nova Forge, Alexa+ oder der Shopping-Chatbot Rufus sollen diese Strategie stützen.

Allerdings ist der Weg riskant: Amazon plant Investitionen von rund 200 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur. Analysten erwarten kurzfristig erheblichen Cash-Burn, während die Aktie bereits unter Druck steht. Entscheidend wird sein, ob sich der Kostenvorteil tatsächlich in steigenden Margen und Marktanteilen im Cloud-Geschäft niederschlägt.

Gelingt das, könnte Amazon langfristig zum Infrastruktur-Rückgrat der Enterprise-KI werden. Scheitert die Wette, drohen Margendruck und Bewertungsabschläge.

KI-Gold bei Amazon? Cathie Wood setzt auf 19 % Gewinnwachstum – Morgan Stanley sieht 50 % Kurspotenzial

Cathie Wood sieht in Amazon das „AI-Gold“ der kommenden Jahre. Über 800 Milliarden US-Dollar sind im ARK Next Generation Internet ETF investiert, und Amazon zählt zu ihren zentralen KI-Wetten. Sie prognostiziert ein jährliches Gewinnwachstum von 19,3 % über fünf Jahre. Für Wood vereint der Konzern Cloud-Infrastruktur, Datenmacht, operative KI und Werbealgorithmen wie kaum ein anderer. Skalenvorteile aus AWS, Retail und KI-gestützter Werbung stärken die Margen. Auch Morgan Stanley stuft Amazon als „Top Pick“ der GenAI-Ära ein – mit Kursziel 300 Dollar. Die Bank of America bestätigt die Kaufempfehlung.

Wie sich die Aktie in Umfeld dieser Szenarioplanung schlägt und wann sich der Einstieg lohnt, ist ein Thema der Live-Besprechung mit unserem Analysten Mike Seidl am Montag ab 8:30 Uhr auf unserem YouTube-Kanal Tickmill Deutsch.

US-Inflationsdruck: Starker Arbeitsmarkt und heißere Inflationsdaten bremsen Zinssenkungs-Hoffnung der Börsianer

Heiße US-Erzeugerpreise erhöhen den Druck auf die Märkte und rücken die Arbeitsmarktdaten am Freitag noch stärker in den Fokus. Während die Inflation in Deutschland und der Eurozone inzwischen im Zielkorridor der EZB liegt, bleibt sie in den USA hartnäckig. Für die Federal Reserve zählen laut Mandat vor allem Inflation und Arbeitsmarkt – und beide sprechen derzeit gegen schnelle Zinssenkungen. Die jüngst starken Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe deuten auf einen robusten Jobmarkt hin. Sollten auch die Nonfarm Payrolls überzeugen, dürften langfristige US-Zinsen steigen – mit spürbaren Folgen für Staatsfinanzierung, Unternehmen und Verbraucher.

Wichtige Quartalszahlen in der kommenden Woche

Investoren blicken nächste Woche gebannt auf die Quartalszahlen von Costco, CrowdStrike und Broadcom – gleich drei Markt-Stars, bei denen Analysten mit teils zweistelligen Wachstumsraten, aber auch erhöhten Erwartungen spielen. Besonders spannend: Broadcom könnte nach dem jüngsten Tech-Selloff für Überraschungen sorgen.

Die Frage ist: Was entscheidet über die Kursreaktion?

·         Überraschungspotenzial: Bei Costco und CrowdStrike kann schon ein kleiner Margenrückgang oder schwache Guidance zu Enttäuschungen führen.

·         Broadcom steht im Fokus nach dem Branchenselloff: Kann das Unternehmen trotz KI-Hype die hohen Erwartungen und Software-Bedenken adressieren, könnte die Aktie zur Rebound-Chance werden.

·         Guidance, Guidance, Guidance: Neue Prognosen für 2026/27 sind der Katalysator für starke Kursausschläge.

Ein entspanntes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr Tickmill Team